Zunächst stellt sich oft die Frage, warum ein fachgerechter Schnitt von Obstbäumen überhaupt erforderlich ist.
Die Gründe hierfür sind vielfältig und lassen sich gut am Beispiel des Apfelbaums erläutern.
Die heute verfügbaren Kultur-Apfelsorten (Malus domestica) stammen vom Wildapfel (Malus sylvestris) ab.
Dessen Früchte sind jedoch nur kirsch- bis walnussgroß.
Durch gezielte Züchtung entstanden Kulturäpfel mit Fruchtgewichten von etwa 100 Gramm bis teils mehreren Hundert Gramm
(ich selbst habe bereits Äpfel mit 600 Gramm geerntet).
Da die Anzahl der Blüten – und damit der Früchte – beim Kulturapfel ähnlich hoch oder sogar höher ist als beim Wildapfel,
muss der Baum ein deutlich höheres Fruchtgewicht tragen.
Dies erfordert ein stabiles, über Jahrzehnte tragfähiges Astgerüst.
Obstbäume besitzen zudem eine sogenannte Spitzenförderung.
Das bedeutet, dass der höchste Trieb am stärksten mit Nährstoffen versorgt wird.
Ohne fachgerechten Schnitt führt dies zu überbauten Kronen,
einer zunehmenden Beschattung und Verkahlung der unteren Astpartien
und einer Verlagerung der Früchte in den oberen Kronenbereich.
Dies erschwert nicht nur die Ernte, sondern kann auch die Standsicherheit des Baumes beeinträchtigen,
da eine hohe und dichte Baumspitze eine größere Angriffsfläche für Wind bietet.
Die Vorteile eines regelmäßigen und fachgerechten Obstbaumschnitts auf einen Blick:
- stabiles, tragfähiges Astgerüst
- gut belichtetes Kroneninneres
- Verhinderung der Verkahlung und Vergreisung
- Fruchtholzrotation und damit möglichst gleichbleibender Ertrag mit guter Fruchtqualität
- gesunde, langlebige und standsichere Obstbäume